Offener Brief an die Schulleiterinnen und Schulleiter der weiterführenden Schulen im Main-Taunus-Kreis:
Anke Horn (Leiterin: Albert-Einstein-Schule, Schwalbach)
Gisela Gimmler-Maak (Leiterin: Anne-Frank-Schule, Kelkheim)
Wolfgang Bill (Leiter: Brühlwiesenschule, Hofheim)
Volker Stender-Mengel (Leiter: Eichendorffschule, Kelkheim)
Silvana Stapel (Leiterin: Freiherr-vom-Stein-Schule, Eppstein)
Heinz Müller-Lichtenstein (Leiter: Friedrich-Ebert-Schule, Schwalbach)
Johannes Elbert (Leiter: Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule, Hofheim)
Bernhard Enke (Leiter: Gesamtschule Am Rosenberg, Hofheim)
Klaus Hartwich (Leiter: Graf-Stauffenberg-Gymnasium, Flörsheim)
Karl-Werner Hildebrandt (Leiter: Heinrich-Böll-Schule, Hattersheim)
Adnan Shaikh (Leiter: Heinrich-von-Kleist-Schule, Eschborn)
Helga Wagner (Leiterin: Johann-Hinrich-Wichern-Schule, Hofheim)
Volker Jesinghausen (Leiter: Heinrich-von-Brentano-Schule, Hochheim)
Dr. Horst Sewerin (Leiter: Main-Taunus-Schule, Hofheim)
Wolfgang Krümmel (Leiter: Mendelssohn-Bartholdy-Schule, Sulzbach)
Brigitte Wagner-Christmann (Leiterin: Sophie-Scholl-Schule, Flörsheim)
Monika Freytag-Baumgartner (Leiterin: Weingartenschule, Kriftel)
April 2010
Sehr geehrte Schulleiterinnen und Schulleiter,
wir wenden uns in diesem offenen Brief an Sie mit dem Appell, aber auch der Bitte, dass Sie keine Kooperation der von Ihnen geleiteten Schulen mit der Bundeswehr unterstützen.
Seit dem Jahre 2005 hat die Bundeswehr im gesamten Bundesgebiet verstärkt an Vereinbarungen mit Schulen gearbeitet, hat Jugendoffiziere für Bezirkskreise abgestellt und Unterrichtsbesuche angeboten. Darüber hinaus startete sie eine Kampagne mit den so genannten „Karriere-Trucks“, die auf öffentlichen Plätzen und Schulhöfen halt machen und die Bundeswehr als vermeintlich sicheren Arbeitsplatz anpreisen. Die jeweiligen Landesregierungen weisen die Entscheidungsverantwortung von sich und erklären, das sei Befugnis der Schulleiterinnen und Schulleiter. Deshalb senden wir Ihnen diesen Brief.
Eine Armee, die Werbung an Schulen macht ist äußerst kritisch zu betrachten. Der Beutelsbacher Konsens von 1976, der sehr sinnvolle Maximen pädagogischen Handelns beschreibt, erwartet von Schulen, ihre Arbeit an 3 Grundsätzen auszurichten. Eine Kooperation mit der Bundeswehr, in der Art, wie sie heute stattfindet, widerspricht Zweien davon. Das Überwältigungsverbot besagt, dass man Schülerinnen und Schüler nicht im Sinn von bestimmten Meinungen überrumpeln darf, denn das behindert sie in der Gewinnung eines selbständigen Urteils. Das Kontroversitätsgebot besagt, dass alles, was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, auch im Unterricht kontrovers erscheinen muss.
Die Bundeswehr führt ihre Werbungsveranstaltungen nicht kontrovers durch, sie beschränkt sich auf Informationen und Fakten, die ihre eigenen Ansichten untermauern. Ein Beispiel hierfür sind die so genannten POL&IS-Spiele, Rollenspiele zu Politik und Internationaler Sicherheit, während derer Schüler in die Rolle von Staatschefs schlüpfen und weltpolitische Probleme bewältigen sollen. Militärische Handlungen sind in diesem Spiel nicht nur ausdrücklich möglich, sie werden als einzig adäquate Lösung präsentiert. Unkommentiert ist so etwas als verpflichtendes Unterrichtsmittel mit Blick auf den Beutelsbacher Konsens nicht hinnehmbar.
Problematisch sind auch die Karriere-Veranstaltungen, die die Bundeswehr als guten und sicheren Arbeitsplatz präsentieren. Die Jugendlichen wachsen heute in einer Realität auf, in der sie hunderte Bewerbungen mit Absagen zurückgeschickt bekommen. Nun lockt die Bundeswehr mit Stellenangeboten an „interessanten Orten“, mit kostenlosen Führerscheinen und einem allgemeinen Abenteuercharakter. Das wird vielen verlockend vorkommen. – Jedoch fällt kein Wort über die Realität der Soldaten, über Verwundung, über den Befehl Menschen zu erschießen oder den eigenen Tod. „Der Tod ist die logische Konsequenz soldatischen Handelns“(Georg Schramm), diese andere Seite der Bundeswehr wird aber betont weggelassen. Das ist unehrlich, unausgewogen und nicht mit Grundsätzen der Pädagogik vereinbar.
Wenn die Bundeswehr eingeladen wird, so müssten auch immer pazifistische Gruppen und Deserteure eingeladen werden.
Wir bitten Sie also, als Leiterinnen und Leiter ihrer Schulen, die Kooperation mit der Bundeswehr abzubrechen, oder von einer solchen Kooperation auch in Zukunft abzusehen, wenn sie sich dem bisher verwehrt haben.
Die Bundeswehr ist kein sicherer Arbeitsplatz, die Bundeswehr stellt Weltprobleme nicht fair dar. Politische Bildung ist das Feld von ausgebildeten Pädagogen, sie soll balanciert, kontrovers und ehrlich sein. Das kann und will die Bundeswehr nicht leisten. Wir, die Linksjugend ['solid] MTK fordern daher: Keine Kooperationsvereinbarungen der Schulleiter mit Jugendoffizieren! Bundeswehr raus aus unseren Schulen!
linksjugend['solid] MTK
solid-mtk@gmx.net
http://www.linksjugend.wordpress.com